Orthopädische
Dr. Klaus Fritsch

WIRBELSÄULE:

Minimalinvasive Bandscheibenoperation - Mikroskopisch assistierte perkutane Nukleotomie (MAPN)

In Deutschland werden im Jahr etwa 70.000 Bandscheibenoperationen an der Lendenwirbelsäule vorgenommen. Damit stellt die Bandscheibenoperation den häufigsten Eingriff an Wirbelsäule überhaupt dar. Wenn der konservativ "austherapierte" Bandscheibenpatient operiert wird, ist er meist im Alter von 35 bis 45 Jahren. Das wiederum bedeutet, dass noch viele Jahre Berufsleben vor ihm liegen. Daher ist wichtig Operationsverfahren anzuwenden, die es ermöglichen den Krankenhausaufenthalt kurz zu halten und den Patienten schnell wieder fit für seine berufliche Tätigkeit zu bekommen. Hierbei spielt es einen große Rolle, dass so genannte Operationstrauma (Schäden an gesunden Strukturen, wie Rückenmuskulatur und Wirbelgelenken, infolge des operativen Zuganges) so gering wie irgend möglich zu halten. Unter diesem Aspekt wurde Ende der neunziger Jahre das Verfahren der MAPN von PD Dr. Greiner-Perth und Dr. Böhm (Bad Berka) entwickelt. Unter Verwendung dieser Technik können alle Arten des Bandscheibenvorfalles an der Lendenwirbelsäule operativ versorgt werden. Über einen 15 mm langen Hautschnitt wird die Rückenmuskulatur über s.g. Dilatatoren sanft aufgedehnt und nicht wie bei anderen Verfahren üblich, flächig von den Dornfortsätzen und den Wirbelbögen abgelöst. Dann wird über einen Arbeitskanal von 11 mm Außendurchmesser unter dem Operationsmikroskop der Wirbelkanal eröffnet und der Bandscheibenvorfall entfernt (siehe Abbildung). Die mittlere Operationsdauer beträgt 35 Minuten.

In einer gemeinsamen wissenschaftlichen Studie mit der Orthopädischen Universitätsklinik Magdeburg konnte anhand von kernspintomographischen Nachuntersuchungen gezeigt werden, dass die Schäden durch den operativen Eingriff im Bereich der Rückenmuskulatur im Vergleich zu der heutzutage sehr weit verbreiteten Technik der mikrochirurgischen Bandscheibenoperation weitaus geringer sind. Dieser Fakt spiegelt sich auch in der Schmerzsituation in den ersten Tagen nach der Operation wider. So benötigten Patienten, die in der MAPN-Technik operiert wurden deutlich weniger Schmerzmittel als Patienten, die mit der herkömmlichen Operationsmethode versorgt wurden. Gegenüber den endoskopischen Techniken, über die zum Teil nicht alle Arten von Bandscheibenvorfällen operierbar sind, bietet die Verwendung des Operationsmikroskopes den Vorteil einer dreidimensionalen Sichtbarmachung des Operationsfeldes, was den Operateur das Arbeiten im Wirbelkanal erleichtert.

Prinzipiell ist die MAPN-Technik auch ambulant einsetzbar, jedoch empfehlen wir im Sinne des Patienten zur besser Nachbetreuung einen kurzen stationären Aufenthalt von im Durchschnitt 2 bis 3 Tagen. Die Technik der mikroskopisch assistierten perkutanen Nukleotomie (MAPN) hat sich in mehr als fünfzig Einrichtungen in sieben Ländern als Standardverfahren zur operativen Behandlung des lumbalen Bandscheibenvorfalles durchgesetzt.

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