REHA SCHULTERECKGELENKSVERLETZUNG

Das Schultereckgelenk ist die Verbindung zwischen dem Schlüsselbein (Clavicula) und der Schulterhöhe (Acromion). Verletzungen des Schultereckgelenks entstehen meist durch direkten Sturz auf die Schulter.

Die Verletzungen werden nach Tossy oder Rockwood in sechs Grade eingeteilt. Grad 4, 5 und 6 sind sehr selten. Grad 1 entspricht einer Prellung, eventuell verbunden mit einem Riss des Diskus – einer Knorpelscheibe im Schultereckgelenk. Grad 2 entspricht einem Riss der Bänder zwischen Schlüsselbein und Schulterhöhe (Acromioclaviculäre Bänder). In diesem Fall steht das Schlüsselbeinende gering nach oben, da der Zug der gerissenen Bänder nach unten vermindert ist, und die Muskulatur das Schlüsselbein nach oben zieht. Bei Grad 3 sind zusätzlich noch die Bänder zwischen dem Rabenschnabelfortsatz und dem Schlüsselbein gerissen (Coracoclaviculäre Bänder) – das seitliche Schlüsselbein steht noch höher.

Grad 2 und 3 müssen nicht zwingend operiert werden, wenn man akzeptiert, dass das Schlüsselbein immer höher steht. Die Schulterfunktion ist dabei in Zukunft in den meisten Fällen nicht vermindert, jedoch verbleibt als kosmetisches Problem ein Hochstand desSchlüsselbeins.

Bei nichtoperativem Vorgehen ist eine Ruhigstellung der Schulter im Verband nur schmerzabhängig notwendig. Die Ruhigstellung sollte so rasch wie möglich beendet werden, um eine Einsteifung der Schulter zu vermeiden. Die Schulter darf schmerzabhängig bewegt werden, zu Beginn sollte gekühlt werden. Tapeverbände nützen nichts und führen eventuell zu Hautschäden. Sportliche Betätigung kann schmerzabhängig begonnen werden, sollte jedoch im Einzelfall mit dem Arzt abgesprochen werden.

Eine Operation bei Grad 3 bis 6 kann in den ersten drei Wochen nach der Verletzung als arthroskopische Tight-Rope-Operation durchgeführt werden. Dazu wird über eine Gelenkspiegelung ein Fadensystem mit zwei Titanplättchen eingebracht, welches das Schlüsselbein an den Rabenschnabelfortsatz fixiert, und damit ein Verheilen der Bänder ohne Hochstand des Schlüsselbeins ermöglicht.

Nach dieser Operation trägt der Patient 6 Wochen lang einen Gilchrist-Verband, und darf dann in der 7. und 8. Woche den Arm bis zur Horizontalen heben, ab der 9. Woche frei bewegen. Krankengymnastik ist nur notwendig falls sich nicht durch Eigenmobilisierung eine freie Schulterbeweglichkeit ergibt. Krafttraining sollte frühestens nach 12 Wochen durchgeführt werden. Nach der Operation darf 6 Monate lang kein Sport ausgeführt werden, der die Schulter stark belastet (z.B. Volleyball, Schwimmen). Falls zusätzlich eine weitere Operation durchgeführt wurde (z.B. Rotatoren-Operation) kann sich das Rehabilitationsschema ändern.

Bei Verletzungen die älter als drei Wochen sind kann eine Graftrope-Operation durchgeführt werden. Dabei wird das Fadensystem mit einer Sehne (Gracilissehne) verstärkt. Diese Sehne wird über einen kleinen Hautschnitt am Bein entnommen.

 

Das Bein ist direkt nach der Operation voll belastbar. Es gilt danach die gleiche Nachbehandlung wie nach der Tight-Rope-Operation.

Literatur:

  • Fraser-Moodie JA, Shortt NL, Robinson DM.: Injuries to the acromioclavicular joint J Bone Joint Surg BR. 2008 Jun.;90(6):697-707

 

Stand: Januar 2021